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Die Intensität des Moments

Tim Meyer macht seit 1994 Musik. Neben unterschiedlichen Bandprojekten (Struggle, Mutations 8 und zuletzt TAUT) gab es von Anfang an ein Soloprojekt, bei dem sich der Musiker ganz bewusst dafür entschied, in jeder Hinsicht alleine zu arbeiten. Instrumente, Aufnahme, Produktion, Artwork, etc. - alles sollte aus seiner Hand stammen, um die eigenen Grenzen zu erkunden. Aber nicht Egomanie ist die Triebfeder, sondern eher die Idee „Scheitern als Chance“. „Manchmal findet sich gerade in den nicht ganz so perfekten Takes einer Aufnahme das Besondere“, erklärt Meyer.
Bei der Arbeit hat der 28-Jährige oft einen Satz von Tom Waits im Hinterkopf: „Wenn ich neue Songs schreibe, nehme ich mir ein Instrument, das ich nicht beherrsche.“ Auch wenn Meyer nicht immer neue Instrumente verwendet, geht es ihm doch um eine gewisse Naivität als künstlerische Methode. Er versteht den musikalischen Schaffensprozess als stetiges Experimentieren.
Die Beschränkung auf minimale Mittel sieht Meyer dabei als ausschlaggebendes Element, denn die Lieder sollen nicht mit einer großen Produktion aufgewertet werden. Sie sollen auch (fast) nackt eine ansehnliche Gestalt haben. Produktionsort ist das Wohnzimmer und ein 8-Spur-Recorder.
Eigenwilliges Songwriting und die Intensität des Moments stehen im Vordergrund.


 

Über "Wolken brechen Sonnenstrahlen"

Endlich ist es da! „Wolken brechen Sonnenstrahlen“ ist der Titel des Albums, auf das Kenner des Werdegangs von Tim Meyer sicherlich schon lange gewartet haben. Ein Album mit 12 Titeln in erstmals deutscher Sprache ist es geworden, wobei es Meyer bei jedem Song beängstigend spielend gelingt, subtiles deutsches Liedermachertum mit angenehm undeutscher Gänsehaut- und weltgewandter, bisweilen recht experimenteller Pop-Erfahrung zu kombinieren. Meyers jahrelange Arbeit auf den Gebieten des perfektionistischen Gesangs und detailverliebten Multiinstrumentalismus (Gitarren, Bässe, Keyboards, Percussions, etc.) sind von steter Präsenz in seinen verträumten Pop-Perlen. Das Einreißen der vormals englischen Sprachbarriere hat dem Künstler hörbar wohlgetan. Während gutgedachte Lyrics innerhalb früherer Produktionen in der Komplexität der Fremdsprache versandeten, profitieren die Texte von „Wolken brechen Sonnenstrahlen“ in beeindruckender Art und Weise von der Direktheit und den Identifikationsangeboten der Muttersprache.
Tim Meyers „neue“ Sprache ist angefüllt von Bildern, welche stets einnehmend und mitreißend, aber nie erdrückend wirken. Meyer sagt „Ich will“ oder „Ich lass los“, den dies ist seine „Ich-Platte“, provokant und trotzdem eingängig, sperrig und dennoch versöhnlich. Ob Meyer nun als morbide Moorleiche in sumpfigen Tiefen mit zuckersüßer Stimme über den Verfall fabuliert oder wie Treibholz am Strand liegend dem Lachen der vorrüberziehenden Möwen lauscht, seine ernsthaft-humorige Offerte an den Hörer, ihm auf eine wunderbare Pop-Reise in die intime Surrealität seiner Eigenwelt zu folgen, ist stets unwiderstehlich. „Eine Welt, die hält, was diese nicht verspricht.“

(Alexander Tsitsigias)