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Presse

 

Über "Wolken brechen Sonnenstrahlen" KLEINEHEIMAT CD001

1. Peiner Allgemeine Zeitung, von Mathias Begalke, 26.08.2003 (www.paz-online.de)

2. Drachenmädchen, September 2003 (www.myruin.de)

3. Babsies Diktatur, von Diethelm Kröhl, Ausgabe X, September 2003 (www.babsies-diktatur.de)

4. Nillson, von Anne, 16.09.2003 (www.nillson.de)

5. Debil, von Ullrich Bemmann, September 2003 (www.club-debil.com)

6. Intro, von Oliver Minck, Nr. 110 / Oktober 2003 (www.intro.de)

7. Hinternet, von kp, Oktober 2003 (www.hinternet.de)

8. Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, von Ralf Neite, 14.10.2003 (www.hildesheimer-allgemeine.de)

9. Gästeliste, von Christian Biadacz, Oktober 2003 (www.gaesteliste.de)

10. Bloom, von Ralf, 29.12.2003 (www.bloom.de)


1. Peiner Allgemeine Zeitung - Lieber Liebeskummer, Mathias Begalke

Seit fast zehn Jahren schreibt Tim Meyer englischsprachige Songs, nun veröffentlicht er mit „Wolken brechen Sonnenstrahlen” sein erstes deutschsprachiges Album, eine sehr persönliche Platte voller Liebeskummer-Lieder. Eingespielt hat er das Album im Alleingang, außer Gitarre spielt Meyer vor allem Synthesizer. Der 24-jährige Woltwiescher, der in Hildesheim lebt und Kulturwissenschaften studiert, spielte zusammen mit Tobias Laufer bei Struggle (1995 bis 1998), nannte sich bei seinem ersten Soloprojekt Halmostava und fabriziert seit zwei Jahren als Frontmann der Band Taut eine düster-melancholische und äußerst tanzbare Mixtur aus Rock, Blues und Folk. Bei „Wolken brechen Sonnenstrahlen” ist er schlicht Tim Meyer – und es hat den Anschein, als trete er erstmals ganz heraus aus einem Versteck. Unverblühmt erzählt er in 12 Songs die Geschichte seines Verlassenwordenseins, beschreibt den Schmerz und die Verzweiflung: durchaus mit Abstand und Humor, wenn er sich selbstironisch mit einer „Moorleiche” vergleicht. Aber manchmal ist er auch einfach nur voller Selbstmitleid. „Ich sitz‘ auf dem Meeresgrund, versunken im Wasser, Wasser in mir”, singt er in „Versunken”. Und in „Ich kann nicht träumen”, dem schönsten Song der Platte: „Jede Nacht bin ich tot, ohne zu sterben.” Was wäre die Popmusik ohne solch schmerzverzerrte Hymnen. Wir müssten auf Songs wie Travis‘ „Why does it always rain on me” verzichten. Der 24-Jährige ist sich bewusst, dass seine deutschsprachigen Songs nun auch verstanden werden. Es kommt ihm so vor, als habe er Ausschnitte aus seinem Tagebuch veröffentlicht. „Aber das ist total okay für mich”, erklärt er. Er wisse inzwischen sowieso nicht mehr (die Platte nahm er im März und April auf einem Achtspurrekorder in seinem Wohnzimmer auf), ob er das alles ernst gemeint oder nur „rausgekotzt” habe. „Danach hat man auf jeden Fall die Schnauze von sich und seiner Situation voll, dann kann es wieder aufwärts gehen.” Achtspur-Aufnahmen als Selbsttherapie. Obwohl, sagt er, so einfach sei es dann doch nicht, den Trennungsschmerz zu verarbeiten. Ausweglos ist das Album nicht, auch wenn es ihm schwer zu fallen scheint, los zu lassen und sich „die Sonne des Augenblicks”, wie er es nennt, zu nehmen. „Ich will raus, mich häuten und endlich feste Knochen im Körper spür‘n”, singt er in „Ich will”. Und in „Anders” erklärt er des Liebeskummers leid: „Ich wünschte mein Name wäre anders, vieleicht Thomas, oder ganz anders”. Meyer scheint auf dem besten Weg zu sein, vom Meeresgrund zurück zur Wasseroberfläche zu tauchen. Aber – und dies bitte nicht falsch verstehen – gut, dass er dort unten gehockt hat, denn seine Musik bestätigt ein Mal mehr: Übers Alleinsein gibt es sowieso die besseren Lieder.

Peiner Allgemeine Zeitung im Internet www.paz-online.de

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2. Drachenmädchen, von Puff

Sehr ambitioniert. Will schwierig sein. Der Gesang erinnert mich an neuere Blumfeld-Sachen, aber die Musik ist ganz anders. Deutschrock ohne Verzerrer und Stadion mit Calypso. Den Opener 'Versunken' kenne ich schon von der Homepage (ja, ich interessier' mich eben für sowas...). Als ich den zum ersten Mal gehört habe, dachte ich noch: „Watt’n ditte?“ Von Mal zu Mal hat der Song aber seinen Reiz, seine Berechtigung entwickelt. Dass Tim Meyer einen recht eigenen Zugang zur deutschen Sprache hat (laut Info so in etwa), lässt sich nicht leugnen. Das finde ich ziemlich gut. Die meisten werden das als Studentenkacke empfinden. Ich aber mag Texte, die Bilder im Kopf machen. Pluspunkt. Die Musik? Fällt mir schwer, das verbal darzustellen. Soft. Guter Sound. Akustikgitarre und Stimme im Vordergrund. Vergleiche fallen mir keine ein, die nicht hinken. Kommt sehr Liedermacher-artig daher. Der Gesang ist sehr soft. Entspannt, wie die Musik. Daran werden sich definitiv die Geister scheiden. Mir gefällt das eigenartige daran. Im Sinne von eigen. Irgendwie auch psychedelischer Hippiequatsch. Aber ernsthaft und sehr gut vorgetragen. Die Stimme finde ich gewöhnungsbedürftig, den recht hohen Hintergrundgesang auch; beim ersten Hinhören ist das nervig. Bin noch nicht sicher, ob ich das mag. Das gefällt mir irgendwie. Die anderen Fanziner schreiben bestimmt: jazzig, aber das ist quatsch. Ich bin damit noch lange nicht fertig; weiss auch nicht, wie oder wem ich das empfehlen soll, aber eins ist sicher: Es ist kein Scheiss. Und Scheiss hör ich hier mit Sicherheit genug, glaub mir das einfach. Ich hör die andern sagen: „Das geht ja gar nicht“. Bricht eben Hörgewohnheiten auf. Ich hab den Eindruck, ich müsste das kacke finden, aber irgendwie spricht mich das an. Ist das peinlich? Check das selber aus, kettcar-Fan. Und: Weit weg von Weakerthans, falls Du das gedacht haben solltest. Öfter als zehnmal durchhören schaff' ich glaube ich nicht. Oder doch? 'Eine neue Umlaufbahn' ist mein Favorit: „Wer nicht die Dunkelheit im anderen zulässt, findet so schnell kein Licht mehr“.

Drachenmädchen im Internet www.myruin.de

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3. Babsies Diktatur, von Diethelm Kröhl

"Ja nun leck mich doch am Arsch! Das Tief der Musikbranche kann kaum am Fehlen von tauglichen Material liegen." Solche Worte schwamen mir beim Hören von Tim Meyer durch den Kopf. Aber brav der Reihe nach...

Tim Meyers erstes Werk auf deutsch. So viel bekam ich mit. Nun ist der deutschsprachige Markt zwischenzeitlich hart umkämpft, was uns Hörer freut. Doch hat Tim Meyer einen klaren Vorteil: der Mensch kann singen. Und dies macht er ausgiebig. 2-stimmige Chöre galore, um mal in den Diskursslang zu verfallen. Leichte Kost mit Nährwert, meist mit akustischer Gitarre im Vordergrund, sauber im Alleingang eingespielt, was beim Hören auch prompt auffällt: da gibt es keine bandinternen Kompromisse bei den Arrangements. Wenn ein Keyboard im Intro gebraucht wird, dann wird das eben gespielt. Und hält den Rest des Stückes brav die Tasten.
Nun können wir ja nicht ohne Bezugssystem, also an dieser Stelle das Namedroping. Doch da wird es komischerweise eng. So ad hoc will mir da kein Vergleich einfallen. Versponnenheit wie weiland Spookey Rubens will mir einfallen, ohne seinen Stil zu meinen. Ein Album, welches offensichtlich in mühsamer Kleinarbeit zuerst mal durchdacht wurde, bevor Tim Meyer sich auf die Instrumente stürzte. Und so streift Tim mitunter das Songwritergenre, ohne es allzuernst zu nehmen. Oder wie darf ich folgende Zeilen verstehen:

Ich wünschte mein Name wäre anders
Vielleicht Thomas
Oder ganz anders
Dann würde ich in den Spiegel sehen und sagen
„Du bist ja heute anders“

Das liest sich eigenartig und kommt schön schluffig daher. Doch gerade bei den Texten spüre ich manchmal das deutschsprachliche Erstlingswerk. Mitunter sind manche Bilder etwas platt, was umso mehr Appetit auf sein nächstes Werk machen sollte.

Mein Resumee: eine schöne Sonntagsmorgensfrühstückscheibe. Das genaue Zuhören tut keineswegs weh. Größtes Gut Tim Meyers ist seine Stimme, die jedoch in ihrer Feingeistigkeit vielleicht nicht überall auf offene Ohren stossen wird. Aber so ist das halt mit Gesangsorganen, die aus der Reihe schlagen. Gut gemacht und weiter so!

Babsies Diktatur im Internet www.babsies-diktatur.de

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4. Nillson: Ein Tag am Meer..., von Anne

Bei Tim Meyer ringe ich noch um Vergleiche, Anhaltspunkte, Metaphern, um Worte, die beschreiben, wie "Wolken brechen Sonnenstrahlen" klingt. Im Grunde ist es vielleicht einfacher, wenn man sich in den Texten treiben lässt, und ein paar Worte aufschnappt. Die ersten Zeilen im ersten Lied "Versunken": "Ich sitz’ auf dem Meeresgrund, Drumherum dumpfe Taubheit" weisen uns den Weg in die leichte, schwebende Welt maritimer Regentage.

Sparen wir uns aber die Musik, das Wichtigste, für den Schluß auf. Ein paar Worte vielleicht zum Album? "Wolken brechen Sonnenstrahlen" beherbergt vom Label Kleineheimat, wartet mit 12 wunderschönen Songs auf, allesamt in Eigenregie aufgenommen von Tim Meyer. Jener singt zum ersten Mal auch auf Deutsch, nachdem er nun schon fast zehn Jahre in allen möglichen und unmöglichen Solo- und sonstigen Projekten musikalisch tätig ist. Und singen kann er allemal. Endlich mal eine fragile Stimme die nicht bricht, eine helle Stimme, die nicht zittert. Noch dazu schafft er nur mit einem Korg-Synthesizer und einer Gitarre großartige Arrangements, große Produktionen. Es gibt hier dichte Songstrukturen, Liederkosmen, kleine Orchester und in der Mitte immer nur Tim Meyer. Ein bisschen Folk, ein bisschen Liedermacher, ein bisschen Scottish Pop, ein Schuß New Acoustic Movement für den milden Geschmack.

Die deutschen Texte legen natürlich Vergleiche zu Blumfeld nah, zu Kettcar, zu Tomte. Alles ein bisschen Wahrheit, auch Tim Meyer hat fleißig Tagebuch geführt. Manchmal ist das Ganze dann auch ein wenig staksig, aber wunderbarerweise nie abgedroschen und nie tausendmal gehört. Stattdessen ganz natürlich, ganz direkt und wunderbar jung und neu.
Die Lieder klagen von Unsicherheit, von der Verletzbarkeit, vom Wunsch, dass sich etwa ändert, und gleichzeitig vom Schmerz, wenn sich etwas ändert. So sind sie, die Widersprüche. Oft kommt Wasser vor, was sich auch in der Musik spiegelt, vom grauen Regen bis zum Blick nach oben vom Meeresgrund. Da sind halt die schweren Wolken vor der Sonne. Das ist nicht ganz so düster wie es klingt, denn Wolken sind eigentlich ganz leicht und kühl, das Wasser streichelt durch die Haare, und irgendwann wird auch der Regen vorbei sein. Aber manchmal kann das alles schon erdrückend sein. So sind sie, die Widersprüche.
Das erinnert mich manchmal an I am Kloot an "Morning Rain" oder "Storm Warning". Tim Meyer hinterlässt eine Art melancholische Leichtigkeit.

Bitte weitersagen!

Nillson im Internet www.nillson.de

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5. Debil, von Ullrich Bemmann

Die Welt des Netzes ist riesig und so ist es schon etwas verwunderlich, dass jemand auf debil stößt, der mit der Art von Musik, wie sie hier propagiert wird, so wenig am Hut hat, wie Tim Meyer. "Gehört die Musik hierher?" fragte er und ich musste mit den Schultern zucken: "Weiß nicht." Die CD kam dann doch und so sitze ich hier und versuche meine Gedanken zum Werk niederzuschreiben.
Auf der Website des Labels findet sich eine Rezension, die einen verwirrten Kritiker zeigt: "Ich hab den Eindruck, ich müsste das Kacke finden, aber irgendwie spricht mich das an. Ist das peinlich?" Da ist was dran. Eigentlich kann ich mit Musik wie dieser absolut nichts anfangen. Simpler, einfach gestrickter Pop mit Akustik-Gitarre und Keyboard-Begleitung. Die mit großer-Jungen-Stimme intonierten deutschen Texte sind teilweise witzig, teilweise tiefgründig, manchmal aber einfach nur grenzdebil (womit das Ganze ja hierher passen würde). Eigentlich gefällt mir die Platte überhaupt nicht. Die Musik geht klar, sie ist eingängig und nett, erinnert zeitweise an die Wohnzimmerbands oder ähnlichen Naiv-Pop. Der Gesang nervt mich aber recht schnell, auch die Art und Weise, wie die Texte in die Metrik der Musik eingepresst werden. Die Vorstellung, dass das hier nicht Tim Meyer, sondern Farin Urlaub mit seiner neuen Solo-Platte zu Gange ist, macht den Konsum etwas einfacher (Wo andere Rezensenten Blumfeld-Referenzen finden, ist mir unklar.). Mit dieser Krücke bewaffnet, kann ich das Album vollständig hören, ohne zu verzweifeln. Vielleicht ist das einfach nicht meine Art von Humor. Wahrscheinlich habe ich aber nur ein Problem mit der Stimme. Das setzt sich fort beim Hauptprojekt Tim Meyers, TAUT, wo er englisch singt (Hörprobe auf der Website). Sorry. Auch wenn ich es gut finde, dass es Leute gibt, die ihr eigenes Ding machen, das hier sind einfach nicht meine Vibrations. Meyer wird es sicher nicht umhauen, dass er nicht von allen geliebt wird. Sein Publikum dürfte er trotzdem finden.

Debil im Internet www.club-debil.com

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6. Intro, von Oliver Minck

Tim Meyer beschreitet den schmalen Grat zwischen großer Kunst und Katastrophe. Und rutscht immer mal wieder zu beiden Seiten ab. Zunächst mal ein dickes Lob für den Mut zu Unkonventionellem. Das fängt an bei den reduzierten Arrangements: Meyer haut ziemlich schräge Akustikgitarren-Riffs auf seinen 8-Spur-Recorder. Die unterlegt er ganz Minimal-mäßig mit Tupfern aus Schlagwerk und Synthie. Und da drüber lässt er seiner Stimme dann freien Lauf. Das kommt ziemlich krass. Denn Meyer singt voller lnbrunst, so wie man das auf Deutsch eigentlich nicht gewohnt ist. Die Silben werden gedehnt, die Töne ausgesungen, immer wieder kippt Meyer ins Falsett, und überhaupt trieft es nur so vor Pathos und Theatralik. Aber das geht schon in Ordnung, Meyer nimmt sich eben die künstlerische Freiheit. Eine Freiheit, die bei den Texten jedoch irgendwie aufhören sollte. Die sind streckenweise wirklich haarsträubend. Dauernd diese blöden, verklausulierten Naturbezüge: Möwen, Meeresgrund, Steppe. „Ich bin ein Segel, in das der Wind bläst.“ Dabei kann er doch auch anders: „Ich Kann Nicht Träumen“ ist sowohl musikalisch als auch textlich absolut ergreifend. Da wird Meyer endlich mal konkret, da lässt sich seine innere Zerrissenheit richtig gut nachvollziehen und miterleben. Der Song ist der Hammer! Weniger Kopf, mehr Soul – und Meyer könnte mal ein Großer werden.

Intro im Internet www.intro.de

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7. Hinternet, von kp

Tim Meyer hat viel zu sagen. Und zwar so, dass es Eindruck macht. Eine klare, unprätentiöse und schöne Sprache: kräftige, manchmal ungewöhnliche Bilder. Oft haben sie mit Wasser zu tun, mit Meer, Strand und Möwen. Oder mit Moor. Dann guckt man im Booklet und sieht: Hildesheim. Dort hat Meyer die CD produziert, und woher das Meer kommt, weiß man nicht. Aber Karl May soll ja auch niemals in Amerika gewesen sein.
Meine Lieblingsstelle ist die Hommage an eine Frau, die Kontinente verschiebt (lustigerweise dasselbe Bild, das auch Frau Catterfeld in „Für Dich“ malt, aber da war es auch nicht schlecht), die in allen Staaten Präsidentin wäre, an allen Wänden ist und zu Fuß die Erde umwandert und und und... Also, die Einfälle und Eindrücke sprudeln nur so, und ohne weiteres könnte Tim Meyer auch reiner Textpoet sein, er würde auch den Leser durch die Texte ziehen.
Nun sollen es aber Songtexte sein. Die eines Singer-Songwriters, denn so klingt es meistens: als schrammelte der Sanges-Dichter auf der für diesen Stand obligatorischen Akustikgitarre und singt sich dabei mit Inbrunst die Folk-Seele aus dem Leib. Und meistens, man fühlt sich an Bob Dylan erinnert, scheint die Musik dem Text untergeordnet. Hat sich der Knute seines Rhythmus´, seiner Zeilen unterzuordnen. Muss sich anpassen, wenn Tim Meyer grimmig seine Texte abfeuert. Spröde und kratzig klingt vieles auf „Wolken brechen Sonnenstrahlen“, so als dürfe bloß kein Schönklang sein.
Aber genau den hätten Tim Meyers Texte verdient. Denn die Texte sind stark und klar genug, um mehr Glanz, Weichheit und Volumen in der Musik auszuhalten. Außerdem sind unter den 12 Titeln nur wenig Ohrwurm-Melodien: die Gefahr der Süßlichkeit ist minimal. Manchmal, ganz selten, kommen ein bisschen Schlagzeug oder exotische Percussions dazu, ein Casio und Vibraphonklänge – und hier und da auch mehr Hall auf die Stimme. Und dann geht tatsächlich die Sonne auf, wenn das Sperrfeuer aus Talkin´ Blues, Geschrammel und oft viel zu manieriertem Gesang aufhört. Und oft wäre es auch schön, den Gesang deutlicher hören zu können, die Gitarre dürfte zwei Schritte zurücktreten.
Ich weiß, das klingt jetzt platt, aber die Wolken könnten etwas mehr den Blick auf die Sonne frei machen. Und Menschen mit Gefallen an starker, deutscher Song-Lyrik, die trotzdem auf der Straße zuhause ist, sollten sich die Platte besorgen.

Hinternt im Internet www.hinternet.de

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8. Hildesheimer Allgemeine Zeitung - Verlassen, versunken, verloren, von Ralf Neite

Melancholische Solo-CD des Hildesheimers Tim Meyer: "Wolken brechen Sonnenstrahlen"

Tim Meyer ist emsig wie Eichhörnchen. Mit seiner Band "Taut" bringt er CDs im Halbjahres-Rhythmus heraus, und weil das noch nicht reicht, gibt es nun die erste Solo-Scheibe: "Wolken brechen Sonnenstrahlen." Alles selbst gespielt und gesungen, selbst aufgenommen und produziert im eigenen Studio, selbst herausgebracht auf dem eigenen Label "Kleineheimat".
Der CD-Titel nimmt den wichtigsten Unterschied zu "Taut" vorweg: Der 25-jährige Hildesheimer hat das Englische abgelegt und sich für die Muttersprache entschieden. War's eine gute Entscheidung?
Für Liebhaber bedeutungsschwangerer Naturmetaphorik: unbedingt. Für alle anderen werden die Texte zum größten Hindernis, die Platte zu mögen. Die Melancholie überzieht die Songs wie ein dichter Schleier. Tim Meyer suhlt sich im tieftraurigen Gefühl des Verlassenseins, das ihn zu einem ominösen "Ursprung" und "Endpunkt" treibt. Dabei passen die Bilder oft nicht zueinander. "Dänischer Regen fällt, in jedem Tropfen eine ganze Welt", heißt es da, aber schon die nächste Zeile findet in einer ganz anderen Gegend statt: "In der Steppe mit dir"
So viel kann man jedenfalls aus den Liedern entnehmen: Die Freundin ist weg, und das fühlt sich nicht schön an für ihn. Oder, wie Tim Meyer sagt: "Jede Nacht bin ich tot, ohne zu sterben." Starker Tobak! Obendrein wirkt der Gesang reichlich gekünstelt und affektiert. Manchmal, wie im Eröffnungssong "Versunken", klingt's wie der Versuch eines Engländers, deutsch zu singen. Besonders die lang zerdehnten Vokale irritieren. Man kann das eigenwillig finden oder schlichtweg hässlich.
Schade. Die verquasten Texte und die leidende Stimme stören extrem den Hörgenuss, den die Musik bereiten könnte. Mit geringstem Aufwand an Technik schafft Meyer überraschungsreiche LoFi-Collagen. Im Zentrum steht die akustische Gitarre, und daneben, drüber oder drunter spielen sich originelle Klangereignisse ab. Undefinierbares Britzeln, scharfe Endlostöne der E-Gitarre, vieles aus der elektronischen Konserve von theatralischen Streichern ("Ich kann nicht träumen") bis zum kurzen Einsatz synthetischer Steeldrums ("Eine neue Umlaufbahn").
An zwei, drei Stellen lässt sich erkennen, dass Tim Meyer durchaus Humor besitzt. In "Moorleiche" etwa blitzt eine gute Portion Selbstironie auf, wenn er mit sich selbst schwerblütig im Chor singt: "Ich bin eine Moor-lei-hei-heiche." Davon beim nächsten Mal bitte mehr!

Hildesheimer Allgemeine Zeitung im Internet www.hildesheimer-allgemeine.de

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9. Gästeliste, von Christian Biadacz

Es war Anfang des Jahres in einem Hildesheimer Wohnzimmer: Der 24jährige Tim Meyer baut Achtspurrekorder, Gitarre, Mikros und was man sonst noch so zum Musik verewigen braucht auf und macht sich auf eine CD zu produzieren. Ok, hat geklappt. Hildesheim bebt. Meyer hat Selbstbewusstsein, lässt sich ein Info schreiben, das auch diesem Typ aus "Million Dollar Hotel" gefallen hätte, der behauptet der fünte Beatle zu sein ("I wrote all the songs!"). Man erwartet mindestens Bob Dylans geheimgehaltenen Co-Writer, einen Haudegen der Musikszene, bekommt jedoch Tim Meyer in seinem Wohnzimmer. Das nur zum Selbstbewusstsein. Meyer klingt auch sehr eigen. Meist nur die Gitarre, seine Stimme, die wie mit Akzent gesungen ist, ein wenig wie T. Rex auf diesen experimentellen frühen Alben. Ansonsten keine Beziehungspunkte. Liedermacher im Sinne der grau-enhaften Ergüsse der Siebziger, aber ohne das grauenhafte. Was nicht heißen soll, das es wirklich genüsslich konsumierbar ist. Die Worte sind irgendwie nichtssagend, ohne das es auffällt. Ein Album für verquere, missverstandene Jungerwachsene mit Kleinstadthintergrund. Ambitioniert, zwischen den Stühlen auf einem sonderbaren selbstgemachten Thron.

Gästeliste im Internet www.gaesteliste.de

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10. Bloom, von Ralf

Es wirkt wie ein Konzeptalbum, das neue von Tim Meyer, gleichzeitig das erste Soloalbum, noch dazu auf deutsch, wo bisher alles auf englisch war (frühere Band Taut). "Wolken brechen Sonnenstrahlen" wirkt wie eine persönliche Reise durch eine Trennungsgeschichte. Überall finden sich Allegorien auf Einsamkeit, auf das Problem los zulassen, Abschied zunehmen und vergessen zukönnen. Wasser und Meer spielen wichtige Rollen auf dieser Platte. Manche Bilder wirken bemüht andere gar unverständlich, erschliessen sich entweder erst nach mehrmaligem Hören, oder gar nicht.
Als Singer/Songwriter macht sich Tim Meyer gar nicht schlecht, er fährt konsequent seinen eigenen Stil. Alles hat er selbst eingespielt, in seinem Wohnzimmer in Hildesheim - und auf dem eigenen Label Kleineheimat veröffentlicht. Die musikalische Untermalung beschränkt sich auf ein Minimum. Die Gitarre ist schrammelig, kann aber an einigen Stellen durchaus Akzente setzen, Atmosphäre erzeugen und mit Effekten versehen manchmal sogar richtig voranpreschen, wo sie bis dahin nur sachte trieb.
Die Musik dient der Untermalung des Gesangs, diese Aufteiling ist klar und wird das ganze Album hindurch nicht in Frage gestellt. Trotzdem die Gitarre an einigen Stellen etwas leiser sein könnte, nimmt sie nie eine Sonderrolle ein, hat keine Solopassagen. Der Gesang braucht diese Unterstützung auch, denn noch ist er seltsam zurückhaltend. Wenn Meyer sich einmal etwas weiter vortastet, dann fast zaghaft. Er klingt dann, wie in "Anders" eher jammervoll, gequält. Während die Texte von einer tiefen Emotionalität zeugen, die sich dem Hörer leider nicht einmal ansatzweise erschliesst, bleibt der Mensch Meyer mit dem was er herausbringen will, seltsam versteckt hinter der Fassade dieses Album.
Dennoch, ein guter Weg, auf dem Meyer da ist, wenn ich mir mal anmaßen darf das zu sagen. Er hat den Sprung geschafft von englischen Texten zu deutschen. Wenn er es jetzt noch fertig bringt seine deutschen Texte verständlich zu machen und aufhört sich hinter zu abstrakten Formulierungen zu verbergen, kann er womöglich wirklich verstanden werden.

Bloom im Internet www.bloom.de

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